Luxushochzeit: Die neue Lust am leisen Luxus

Kurz erklärt

Eine Luxushochzeit muss nicht laut sein. Im Gegenteil: Für mich zeigt sich echter Luxus heute viel häufiger in Individualität, Diskretion und einer Planung, die so gut ist, dass niemand den Aufwand dahinter bemerkt. Teuer darf eine Hochzeit trotzdem sein. Sie sollte sich nur nie danach anfühlen, als müsse sie ihren Preis beweisen.

Auf einen Blick

Was kostet eine Luxushochzeit? Warum fürchten sich gerade sehr vermögende Paare manchmal vor zu viel Opulenz? Und wo liegt die Grenze zwischen Luxus und Protz? Darüber habe ich jetzt auch mit der ZEIT gesprochen. Eine meiner Antworten klingt zunächst vielleicht etwas überraschend: Manchmal muss ich Millionäre dazu animieren, nicht unter ihren Verhältnissen zu feiern.

„Kann man das machen – oder ist das zu dekadent?“

Diese Frage höre ich tatsächlich häufiger, als man vermuten würde. Gerade sehr vermögende deutsche Paare machen sich viele Gedanken darüber, wie ihre Hochzeit auf andere wirkt. Darf man so viel Geld für Blumen ausgeben? Ist der Auftritt eines berühmten Sängers schon zu viel? Wirkt ein Feuerwerk übertrieben? Ich musste darüber schon öfter ein wenig schmunzeln. Denn natürlich braucht niemand einen Startenor, einen Glaspalast oder Papeterie für 20.000 Euro, um eine wunderbare Hochzeit zu feiern. Aber wenn ein Paar die Möglichkeiten hat und sich genau das von Herzen wünscht – warum sollte es sich künstlich kleiner machen? Understatement ist wunderbar. Solange es Ausdruck des eigenen Stils ist und keine Angst davor, was andere denken könnten. Das ist für mich ein entscheidender Unterschied.

Was kostet eine Luxushochzeit wirklich?

Bei den Hochzeiten, die ich plane, kann man als Orientierung mit mindestens 2.000 Euro pro Gast und Tag rechnen. Eine dreitägige Destination Wedding mit 100 Gästen in der Toskana liegt damit schnell bei mindestens 600.000 Euro. Das klingt nach einer enormen Summe. Und das ist es natürlich auch. Nur sieht man einen großen Teil dieses Geldes später überhaupt nicht. Es steckt in Logistik, Technik, Personal, Sicherheit, Transfers und in Lösungen für Probleme, von denen das Brautpaar im Idealfall nie etwas erfährt. Und natürlich in den Gästen: in wunderbarem Essen, bestem Service und besonderen Erlebnissen. Ich sage meinen Paaren deshalb oft: „Das ist eine sehr großzügige Einladung von euch.“ Denn viel Geld für eine Hochzeit auszugeben, kann eben auch bedeuten, die Menschen, die man liebt, nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen. Genau darin liegt für mich moderner Luxus: nicht möglichst viel zu zeigen, sondern möglichst wenig organisieren zu müssen!

Protz will gesehen werden. Luxus darf entdeckt werden.

International gibt es dabei durchaus kulturelle Unterschiede. In den USA oder im arabischen Raum darf Wohlstand häufig viel sichtbarer sein: Feuerwerk, große Performances, Poolpartys oder sogar Wasserballett gehören dort eher selbstverständlich zur Inszenierung.  In Deutschland erlebe ich oft das Gegenteil. Hier soll eine sehr aufwendige Hochzeit am liebsten aussehen, als wäre sie ganz mühelos entstanden. Und ganz ehrlich? Ich mag diesen Gedanken. Denn eine außergewöhnliche Hochzeit braucht nicht an jeder Ecke zu rufen: „Schaut mal, was das gekostet hat!“ Vielleicht steht da stattdessen eine Einladung auf dem Tisch, deren Papier man sofort anfassen möchte. Vielleicht singt während des Dinners plötzlich ein Künstler, den niemand erwartet hat. Oder eine Location entsteht eigens für diesen einen Abend. Die schönsten Details müssen ihren Preis nicht erklären!

Ein Glaspalast, der am nächsten Morgen verschwunden war

Für eine Hochzeit war der Wunsch des Brautpaares, unter freiem Himmel zu feiern. Das Problem: Lärmschutz. Also entstand auf einer Pferdekoppel ein kompletter Glaspalast – inklusive Strom, Küche und Teppichboden. Nach der Hochzeit wurde alles wieder abgebaut. Am Ende war dort wieder: eine Wiese. Ich liebe solche Projekte, weil sie ziemlich genau zeigen, was ich unter Luxus verstehe. Natürlich ist es spektakulär, für einen einzigen Abend einen Ort entstehen zu lassen, den es vorher nicht gab und danach nicht mehr geben wird. Aber das Entscheidende ist etwas anderes: Die Gäste sollen nicht darüber nachdenken, woher der Strom kommt, wie das Essen in die Küche gelangt oder warum die Musik trotz aller Auflagen funktioniert. Sie sollen feiern!

Eine Hochzeit muss nicht teuer aussehen. Sie muss nach euch aussehen.

Vielleicht verändert sich gerade deshalb unser Verständnis von Luxus. Es geht weniger um „mehr“ und stärker um „passender“. Der eine investiert in ein außergewöhnliches Blumenmeer. Der nächste möchte einen Sternekoch. Ein anderes Paar gibt 20.000 Euro für besondere Einladungsboxen aus. Auch solche Wünsche habe ich in den vergangenen Jahren umgesetzt. Für mich wird eine Luxushochzeit dann gut, wenn sie etwas über die Menschen erzählt, die feiern. Denn eine Luxushochzeit ist für mich keine Ausstellung von Möglichkeiten. Sie ist die Freiheit, aus sehr vielen Möglichkeiten genau die richtigen auszuwählen.

FAQ: Luxushochzeit und leiser Luxus

Was kostet eine Luxushochzeit?

Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht. Bei den internationalen Hochzeiten, die wir bei Fine Weddings planen, kalkuliere ich als erste Orientierung häufig ab etwa 2.000 Euro pro Gast und Tag. Entscheidend sind Gästezahl, Destination, Dauer, Location, Logistik und individuelle Wünsche. Eine mehrtägige Hochzeit im Ausland kann deshalb schnell mehrere Hunderttausend Euro kosten.

Was macht eine Hochzeit wirklich luxuriös?

Für mich sind es nicht möglichst viele spektakuläre Details. Luxus entsteht durch Individualität, Qualität, Zeit, Privatsphäre und perfekte Abläufe. Im besten Fall spüren die Gäste die Qualität – aber nicht die Arbeit dahinter.

Ist eine sehr teure Hochzeit automatisch protzig?

Nein. Der Preis sagt wenig über Stil aus. Eine Hochzeit kann sehr teuer und trotzdem zurückhaltend wirken. Entscheidend ist, warum etwas gewählt wurde. Passt es zum Paar oder soll es lediglich beeindrucken? Protz braucht Publikum. Stil braucht Persönlichkeit.

Was bedeutet „leiser Luxus“ bei einer Hochzeit?

Leiser Luxus zeigt sich in Details, die nicht nach Aufmerksamkeit verlangen: hervorragender Service, besondere Materialien, außergewöhnliches Essen, Privatsphäre und eine Atmosphäre, in der sich alles selbstverständlich anfühlt. Oft sind es gerade die Dinge, die Gäste nicht bewusst bemerken, die eine Feier besonders machen.

Mein Fazit: Feiert nicht für die anderen!

Ich finde Understatement wunderbar. Wirklich. Aber ich finde es schade, wenn Menschen ihre eigenen Wünsche zurücknehmen, nur weil sie Sorge haben, jemand könnte sie für „zu viel“ halten. Wer eine kleine Hochzeit möchte, sollte klein feiern. Wer von drei Tagen Toskana, einem außergewöhnlichen Dinner oder einem Tenor für zwei Songs träumt und es sich leisten kann, darf auch das tun. Denn bei aller Diskussion über hohe Budgets wird manchmal vergessen: Eine große Hochzeit ist oft auch ein großes Geschenk an die Gäste. Luxus zeigt sich für mich nicht darin, wie viel man sich leisten kann. Sondern darin, wie frei man entscheidet, was man wirklich möchte.

Und jetzt bin ich neugierig: Was bedeutet Luxus bei einer Hochzeit für euch – großes Spektakel oder die Kunst, dass sich alles ganz selbstverständlich anfühlt? 

HIER geht es zu meinem Beitrag in ZEIT online!

Alles Liebe,
deine Nadine

Bildcredit Zuzu Birkhof

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Freya Matthiessen

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